Die Siebenbürger Sachsen verzichten nicht auf „Eugenia“ und „Pufuleti“

Die Journalistin Anca Nicoleanu war zu Recherchezwecken in Drabenderhöhe unterwegs und schrieb für die rumänische Zeitung „Evenimentul Zilei“ einen Artikel, den man auch online einsehen kann: „Sasii din Germania nu renunta la ‚Eugenia‘ si pufuleti“. Zu deutsch: „Die Siebenbürger Sachsen verzichten nicht auf ‚Eugenia‘ und ‚Pufuleti'“. Untertitel: „Das Heimweh läßt im Raum Köln eine kleine Industrie mit rumänischen Erzeugnissen entstehen.“ Frau Nicoleanu hat einen ziemlichen Stiefel zusammengeschrieben, geradeso, als würde sich die BILD-Zeitung nach Hermannstadt aufmachen und dann Geschichten, die sie erzählt bekommt, ohne Gegenprüfung als ultimative Weisheit verkaufen. Sie tut so, als ob die Ausgewanderten die rumänischen Begriffe in Anpassung an ihre neue Umgebung als deutsche Straßennamen benutzt hätten, Drabenderhöhe erst unter Kohl gegründet wurde, usw. Als Amusement ist der Text aber durchaus zu gebrauchen. Hans-Detlev Buchner hat den Teil des Artikels, der sich auf die Siebenbürger Sachsen und Drabenderhöhe bezieht, ins Deutsche übersetzt:

„Die Sachsen sind in ganz Deutschland verstreut. Einige sind noch rumänische Staatsangehörige. Andere versuchen sich an ihre Heimat zu erinnern, in dem sie in Läden kaufen, die nur sie kennen, wo man „Eugenia“ und „Pufuleti“ bekommt. Wir haben ein Sachsenstädtchen besucht, in dem die Leute, obwohl sie schon seit langer Zeit aus Rumänien weg sind, sich regelmäßig im örtlichen Laden mit rumänischen Nudeln, Mici und Wein aus Dealu Mare versorgen.

Ein paar Kilometer weg von Gummersbach gibt es einen Ort mit koketten Häusern und gepflegten Gärten: Drabenderhöhe. Vor ein paar Jahren hat einer der Kanzler von Helmut Kohl (sic!), ein gebürtiger Sachse, die Idee gehabt, die Mehrheit der ausgewanderten Sachsen in einem Ort zu vereinen. So kommt es, dass alle 3000 Einwohner des Ortes mehr oder minder eine Verbindung zu Rumänien haben. Hier vermeiden die Leute so gut es geht, rumänisch zu sprechen. Überzeugst du doch einen, er soll dir antworten, wird er einsilbig, wenn er erfährt, das du aus Rumänien kommst.

Es gibt hier auch ein Spezialgeschäft, in dem sich die Leute in den nostalgischen Stunden wahrscheinlich mit rumänischen Produkten versorgen: Mici-Fleisch von einem rumänischen Metzger aus Düsseldorf, Zakuska und Pufuleti von zu Hause. Wir waren unterwegs um das Wunder mit eigenen Augen zu sehen. Die Straßen haben rumänische Namen, übersetzt ins Deutsche, die uns zeigen das die Leute aus der Tara Birsei (Burzenland), Sibiu(Hermannstadt), Medias, Rupea(Reps), Brasov(Kronstadt) und Sighisoara(Schässburg) kommen.

An einem Straßeneck begegnen wir drei Alte beim Quatschen. „Guten Tag, können sie uns auf rumänisch weiterhelfen?“ fragen wir sie selbstsicher. Die Leute unterbrechen ihr Gespräch, mustern uns von oben bis unten, aber sagen nichts. Nachdem wir die Frage wiederholen, antwortet einer: „Hängt davon ab, was ihr wollt.“ Wir fragen nach dem rumänischen Laden. Man zeigt uns ein kokettes Häuschen, ohne Firmenschild und auch sonst keinen Hinweis darauf, das hier Lebensmittel verkauft werden. Danach machen sie sich ohne weitere Kommentare auf den Weg. Der letzte, der geht, erzählt uns immerhin, dass er 20 km neben Schässburg gewohnt hat, seit 72 in Deutschland ist, und am Anfang einige Zeit lang im Lager gewohnt habe, Martin Schässburger heisst, und Sighisorean (also Schässburger) genannt wird.

Beim Laden war die Tür zu. Unsere Begleiterin, eine rumänische Volksmusikinterpretin, empfiehlt uns, es ein paar Straßen weiter zu versuchen. Hier war eine Dame vor dem Laden beschäftigt, die bei unserem Anblick eifrig in den Laden lief. Wir folgen ihr, und Überraschung: In den Regalen, neben russischen Produkten, auch rumänsiche Nudeln, Micifleisch, ein paar Flaschen Wein aus Dealu Mare, drei billige rumänische Bücher aus Rumänien und Martzischoare. Der Patron, ein dicker Deutscher mit Bart, legte in einen Glasball neben der Kasse ein paar Martzischoare. „Eugenia sind alle!“, sagt uns die Frau des Patronen auf deutsch, hörend das wir rumänisch sprechen. „Das Geschäft ging schlecht, wir gingen pleite, und deswegen schließen wir Samstag den Laden. Kommt dann vorbei, dann spendieren wir euch ein paar Mici,“ sagte der Patron.“

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