Hans Otto Tittes: Spiegelbild

Hans Otto Tittes Ob die Frau nach der im letzten Gedicht beschriebenen Methode abnehmen konnte, ist nicht bekannt. Doch solche Probleme in puncto Abnehmen haben die Männer kaum, wie man in dem folgenden Gedicht erkennen kann:

Spiegelbild
von Hans Otto Tittes

Der Spiegel, das weiß jedes Kind,
zeigt uns genauso, wie wir sind,
doch vieler Frauen Stimmung sinkt,
wenn sie davor stehn ungeschminkt.

Nicht weil sie schlecht aussehen würden,
doch stell’n sie selbst sich hohe Hürden,
weil gern erscheinen möchten sie
wie vor’ges Jahr „Miss Germany“.

Auch wenn das Leben ungerecht,
auf Schönheit hat nicht jede Recht;
drum wird gekonnt und raffiniert
gezupft, gepinselt und geschmiert,
man tut Diäten anvisieren,
um die Figur zu optimieren.

Die Männer, seien wir mal ehrlich,
die machen’s sich nicht so beschwerlich:
Die, selbst wenn fast schon halb senil,
stehn nie vorm Spiegel im Profil,
sie gehn ganz nah dran, dass man nicht
den Bauch sehn kann – nur das Gesicht.

Und wenn das morgens noch zerknittert,
vom Stammlokalbesuch verwittert,
dann reden sie sich stolz noch ein:
„Es hätte schlimmer können sein!“
Im Wegdrehn dann in voller Hast
hört man dazu nur kurz: „Es passt!“

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