Eine Ära endet: Enni Janesch gibt Vorsitz der Kreisgruppe ab – Anita Gutt übernimmt

„Die Arbeit hat mir immer Freude gemacht und ich war mir immer der Verantwortung für unsere siebenbürgische Gemeinschaft bewusst. Aber, alles hat seine Zeit und jetzt ist es an der Zeit, dass ich mich als Vorsitzende der Kreisgruppe zurückziehe.“ Enni Janesch überraschte bei der Mitgliederversammlung des Verbandes der Siebenbürger Sachsen mit diesen Worten viele ihrer Landsleute und für einen Augenblick herrschte atemlose Stille im Kulturhaus. Dann brandete jedoch starker Beifall auf für eine Frau, die sich nach rund 40 Jahren aktiver Vorstandsarbeit für ihre Landsleute verabschiedete. Sie wurde zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Ihre Nachfolgerin heißt Anita Gutt und dürfte als Leiterin der Kinder- und Erwachsenentanzgruppen vielen bekannt sein.

Enni Janesch begann 1974 als Schriftführerin unter Robert Gassner, war mehrere Jahre stellvertretende und von 2003 bis heute erste Kreisvorsitzende. Mit großem Engagement setzte sie sich insbesondere für Pflege und Tradition des Brauchtums ein. Sie koordinierte die Arbeit von unzähligen kulturellen Veranstaltungen, Vereinen, Nachbarschaften, knüpfte Kontakte zu auswärtigen Landsleuten, Reisen in die alte Heimat, engagierte sich Jahre im Rat der Stadt Wiehl. Lange Zeit war sie Vorsitzende der Vereinigten siebenbürgischen Chöre sowie im Bundesvorstand der Landsmannschaft Beisitzerin und Referentin für Familie, Frauen und Aussiedler. Für ihre Verdienste wurde sie im Dezember 2009 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. „Siebenbürgen ist meine Heimat, aber Drabenderhöhe ist mein Zuhause“, betonte Enni Janesch und „wir bleiben hier eingebunden“. Sie wohnt seit über 50 Jahren mit Ehemann Harry auf der Höhe und bleibt als Leiterin der „Heimatstube Drabenderhöhe“, ein im Kulturhaus untergebrachtes Museum, weiterhin der Kreisgruppe verbunden.

Zum letzten Mal ließ Enni Janesch die Aktivitäten der Kreisgruppe ab Juni 2016 Revue passieren, wo das 50-jährige Bestehen der Siedlung mit vielen prominenten Gästen gefeiert wurde. Sie erinnerte unter anderen an das Pfingsttreffen 2017 in Dinkelsbühl, wo Drabenderhöher Vereine das Programm gestalteten sowie an die Patenschaftsfeier im November 2018 im Düsseldorfer Landtag sowie an die Kulturveranstaltung in Schwerte „70 Jahre NRW – Siebenbürger Sachsen gestalten mit“. Das Blasorchester, Honterus-Chor und Heimatwerk waren dabei. Beeindruckt über das Gemeinschaftsleben und die Einrichtungen hier in Drabenderhöhe zeigte sich der Landesbeirat für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen des Landes NRW bei einer Tagung, die vom Landesvorsitzenden Rainer Lehni und Janesch begleitet wurde.

Sorgen bereitet Janesch nach wie vor die Entwicklung in den Nachbarschaften, die sich in ihrer Zusammensetzung veränderten. „Trotzdem sind sie weit und breit etwas Einzigartiges und es lohnt sich sie zu erhalten.“ Wichtig sei es, den Zusammenhalt zu pflegen, Treffen und Wahlen weiter abzuhalten, auf die Nachbarn zu achten und Hilfe zu leisten.

Genauso lohne es sich, die siebenbürgische Gemeinschaft mit den sächsischen Traditionen und dem Brauchtum zu erhalten und weiter zu geben. „Wir werden für unsere Integration gelobt, aber immer im Zusammenhang mit der Pflege und Weitergabe der mitgebrachten Kultur. Unsere Siedlung ist weltweit die größte siebenbürgische Siedlung und stellt sowohl in ihrem Gemeinschaftsleben als auch in der Zugehörigkeit zu den Vereinen des Dorfes etwas Einmaliges dar.

Im September sind es 75 Jahre seit die Nordsiebenbürger ihre Heimat verlassen haben. Viele Zeitzeugen leben noch hier in Drabenderhöhe und können von den traumatischen Erlebnissen auf der Flucht erzählen. Es waren diese Menschen, so Janesch, die in den Kriegsjahren und danach die Heimat verlassen mussten, die 1949 den Verband der Siebenbürger Sachsen gründeten. Das 70-jährige Bestehen des Verbandes wird in diesem Jahr beim Pfingsttreffen in Dinkelsbühl unter dem Motto „70 Jahre Gemeinschaft“ gefeiert. Man brauche neue Mitglieder, um die mitgebrachte Kultur, das wertvolle Brauchtum, weiter erhalten zu können.

Abschließend dankte Enni Janesch allen für die gute Zusammenarbeit. Dazu gehörten unter anderem: Die Vereine, Nachbarschaften, das Alten- und Pflegeheim Haus Siebenbürgen, die Vorstandsmitglieder sowie der Landesvorsitzende Rainer Lehni, dessen Ehefrau und Geschäftsführerin Heike Mai-Lehni. Ein Dank ging auch an Gustav Schneider, der die Bewohner des Altenheims und Gäste aus dem Dorf in seinen Filmen mit auf die Reise genommen und ihnen die schönsten Fleckchen der Erde gezeigt hat.

„Meine Arbeit hat mir immer Freude gemacht, sie war mir eine Herzensangelegenheit und ich war mir der Verantwortung für unsere siebenbürgische Gemeinschaft bewusst“, betonte die scheidende Kreisvorsitzende. Stefan Poschner, der als zweiter Vorsitzender sein Amt ebenfalls zur Verfügung stellte, dankte Enni für die gute Zusammenarbeit: „Es war eine Freude mit Dir zu arbeiten, Du hattest den Laden im Griff!“

Aus „Altersgründen – nicht aus Altersschwäche“ stellte auch der langjährige Kassierer Michael Dörner, der für seine ausgezeichnete Kassenführung gelobt wurde, ebenso sein Amt zur Verfügung wie die Schriftführerin Henriette Kuales.

Der neue Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Anita Gutt (Vorsitzende), Gerda Gusbeth, Brigitte Thomke und Helmut Scharpel (stellvertretende Vorsitzende), Friederike Boltres (Kassiererin) und Anneliese Dürr (Schriftführerin). Heidi Müller (Sozialreferentin), Ulla Schenker (Pressereferentin). Jürgen Bartesch, Klaus Buchholzer, Hans Krestel, Norbert Schowerth (Organisation), Werner Haldenwang, Rudolf Schmidt, Werner Scharpel (Kassenprüfer).

Die einzelnen Vorsitzenden der Vereine gehören von Amts wegen zum Vorstand und gaben der Versammlung durchweg positive Berichte über ihre Aktivitäten. Es waren: Ulrike Horwath (Adele-Zay), Adelheid Scheip (Frauenverein), Anneliese Dürr (Honterus-Chor), Andreas Bodendorfer (Blasorchester), Uta Beckesch (Heimatwerk) und Enni Janesch (Heimatstube).

Bei der Mitgliederversammlung der Kreisgruppe Drabenderhöhe des Verbandes der Siebenbürger Sachsen informierte Rainer Lehni über die Resolution gegen die ungerechten Kürzungen im Fremdrentenrecht. Enni Janesch gab den Vorsitz ab. Anita Gutt ist neue Vorsitzende.

Gepostet von Drabenderhöhe am Sonntag, 31. März 2019

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Grüße vom Landesvorstand überbrachte Rainer Lehni bei der Mitgliederversammlung der Kreisgruppe im Kulturhaus verbunden mit einem Dank an den Vorstand für die geleistete Arbeit. Es habe viele schöne Veranstaltungen gegeben, an die man sich gerne erinnere, so Lehni, und kündigte sogleich eine neue an: Das Landestreffen der Chöre am Samstag 6. April, 17 Uhr (Einlass 16 Uhr) im Kulturhaus. Weit über 100 Sängerinnen und Sänger unter der Gesamtleitung von Regine Melzer laden zu einem Frühlingskonzert ein.

Kurz ging er auf die vom Bund angestrebte Rentenreform, Angleichung der Ost- und Westrenten und die vom Verband angeregte Unterschriftenaktion ein, die sich gegen die 40-prozentige Rentenkürzung der Siebenbürger Sachsen in den 90iger Jahren richtet. Aus Drabenderhöhe seien über 500 Unterschriften nach München geschickt worden, die mit Tausenden anderen nach Berlin weitergeleitet werden.

Lehni, der ebenfalls die jahrelange gute Zusammenarbeit mit Enni Janesch lobte, hatte viele Urkunden im Gepäck, mit denen er verdiente Mitglieder ehrte. Das Ehrenabzeichen in Gold erhielt Anneliese Dürr, Ehrenurkunden gingen an Heidi Müller und Ulla Schenker. Die Ehrennadel in Silber erhielten Ulrike Horwath, Klaus Buchholzer, Hans Krestel, Maria Römischer und Katharina Widmann. Für 50 Jahre Mitgliedschaft im Verband geehrt wurden Dita und Georg Janesch, Katharina und Georg Lutsch, Johann Pongratz, Hildegard und Hans Barf, Martha Depner, Mathilde und Michael Dörner, Waltraud Eckhardt, Johann Frim, Hildegard und Michael Melzer, Stefan Poschner und Sigrid Rothmann.

Ursula Schenker

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Fotos: Christian Melzer

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