Blaumann gegen weißen Kittel getauscht: Ulrike Horwath, Vorsitzende des Adele-Zay-Vereins, wird 60 Jahre alt

Als die Apothekerin Ulrike Horwath im Jahr 2004 von Pfarrer i.R. Kurt Franchy als zweite Vorsitzende des Adele-Zay-Vereins ins Boot geholt wird, denkt sie nicht daran, einmal selbst den Vorsitz des Hilfsvereins zu übernehmen, der Träger von Haus Siebenbürgen ist, eines der größten Alten- und Pflegeheime im Oberbergischen Kreis.

„Es liegt mir nicht in vorderster Reihe zu stehen und als Stellvertreterin, so dachte ich, kann ich mich gut zurückhalten.“ Aber das Leben hatte für Horwath, die am 25. Januar 2021 das 60. Lebensjahr vollendet, wie schon so oft, andere Pläne: 2014 übernimmt sie als Vorsitzende das Amt von Franchy, führt seitdem die Geschicke des Vereins und trifft Entscheidungen zum Wohle des Hauses gemeinsam mit ihren Stellvertretern Katja Scheibe (Falken-Apotheke) und Hans Klein (ehemaliger Heimleiter/Pfarrer i.R.).

Auch wenn es ihr auch heute nicht immer behagt, an vorderster Front zu stehen, mache ihr die Arbeit „viel Freude“. Ihre Vorgänger hätten alles getan, damit das Haus gut da stehe. Sie erinnert beispielsweise an die Modernisierung des Heims von Zwei- auf Ein-Bett-Zimmer, Renovierung/Neugestaltung der Bungalows und Außenanlagen sowie die Neueröffnung des Cafes. Der Brandschutz innerhalb des Hauses mit Fluchtweg und Zufahrt für die Feuerwehr „hat uns Jahre beschäftigt“, sagt Horwath. In zahlreichen Sitzungen werde beraten und beschlossen, „was wann in Angriff genommen werden kann und muss“. Im Gespräch stehen momentan ein neues Flachdach und Renovierung des Hauses für betreutes Wohnen. Unter der Regie von Horwath wurde 2020 der eingetragene Hilfsverein in eine gGmbH umgewandelt, die Miete für das Alten- und Pflegeheim zahlt. Im Gegenzug, so Horwath, übernehme der Verein die Instandhaltung.

Als Ort der Begegnung zeigt sich das Altenheim wenn unter dem Turm der Erinnerung Ostereiersuchen, Kronenfest, die Brauchtumsveranstaltung „Puer natus“ oder der Weihnachtsmarkt stattfinden. Alle Veranstaltungen mussten in 2020 wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Glücklich zeigt sich Ulrike Horwath darüber, dass im Heim bisher kein Bewohner positiv auf Corona getestet wurde. Mit Heimleiter Marcus van Breen, der früher in einem Pflegeberuf arbeitete, habe man wieder einmal „zur richtigen Zeit den richtigen Mann, der in Zeiten der Pandemie die richtigen Entscheidungen trifft“. Bereits am 27. Dezember 2020 wurden die meisten Bewohner geimpft.

Ulrike Horwath erblickte in Neustadt bei Kronstadt das Licht der Welt. Ein Jahr vor dem Abitur verlässt sie das Honterus-Gymnasium, wechselte zum Industrie-Gymnasium nach Rosenau, wo sie Drehen, Fräsen und Schleifen lernt. Lehrer hatten ihr nahegelegt die Schule zu wechseln, weil sie „mit ganzem Herzen und großer Leidenschaft Volleyball spielte“ und dadurch manch Unterrichtsstunde versäumte. Kurz bevor sie in die Landesliga aufgenommen werden sollte, half sie bei Hochzeitsvorbereitungen im Dorf. Dabei stürzte die damals 19-jährige, landete mit dem Knie in einem Gurkenglas, dessen Splitter sich bis unter die Kniescheibe gruben. „Eine Zahnärztin säuberte das Knie und nähte die Wunde zu, weil kein anderer Arzt zu erreichen war“, sagt Horwath. Ein Stück Glas 1×1,5 Zentimeter blieb unentdeckt im Gelenk. „Von da an konnte ich nicht mehr Laufen und Volleyballspielen, mehrere Operationen folgten. Auch meinen Traum einmal Försterin zu werden, weil ich die Natur liebe, musste ich aufgeben. Ich fiel in ein tiefes Loch.“

„Es war ein einschneidendes Ereignis in meinem Leben, aber ich bin an der Krise gewachsen“ sagt Horwath, die es als Glück bezeichnet 1985 mit den Eltern und dem jüngsten Bruder Siebenbürgen verlassen zu können. In Drabenderhöhe findet sie eine neue Heimat. An der Uni Bonn beginnt sie ein Studium der Pharmazie, das sie erfolgreich abschließt. Sie gibt zu, dass „es anstrengend war, aber ich wollte nicht aufgeben, habe mich durchgeboxt.“ Noch heute würden die Neustädter darüber staunen, wie sie es geschafft habe den Blaumann gegen einen weißen Kittel zu tauschen. Nach dem Studium wollte sie Deutschland kennen lernen, ging für das praktische Jahr in eine Apotheke nach Winnenden/Stuttgart, wo viele Landsleute lebten, arbeitete unter anderem auf Sylt, Bad Reichenhall, Schwarz- und Westerwald. Zurück nach Drabenderhöhe findet sie Arbeit in der Bergischen Apotheke in Bielstein, die sie 1997 von ihrer Chefin Susann Krumtünger übernimmt. 2005 eröffnet sie zusätzlich am Siebenbürger Platz in Drabenderhöhe die Gingko-Apotheke.

Ursula Schenker

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