Neues Regenrückhaltebecken bei Hillerscheid ist fertig

Auf den ersten Blick ist von dem Millionen-Liter-Speicher kaum noch etwas zu sehen. Unter einer Wiesenfläche nördlich von Hillerscheid verbirgt sich seit kurzem jedoch ein beachtliches Bauwerk: Zwei gewaltige unterirdische Röhren können zusammen rund 850.000 Liter Regenwasser aufnehmen.

Sie sollen bei starken Niederschlägen dafür sorgen, dass große Wassermengen nicht schlagartig weiterfließen. Das neue Regenrückhaltebecken wurde jetzt sogar rund einen Monat früher als ursprünglich vorgesehen fertiggestellt.

Wer heute an der Baustelle nördlich von Hillerscheid vorbeikommt, dürfte sich fragen, wo das angekündigte Regenrückhaltebecken eigentlich geblieben ist. Zu sehen sind im Wesentlichen eine wiederhergestellte Wiesenfläche, einige Schachtdeckel und eine Zufahrt. Das Entscheidende liegt darunter.

Die Stadt Wiehl meldete am Montag, 17. August, den Abschluss der Arbeiten. Noch im Juni war die Fertigstellung für Mitte September 2026 vorgesehen. Ausgeführt wurden die Bauarbeiten von der Firma Heinrich Weber. Das Bauwerk befindet sich nördlich von Hillerscheid unmittelbar im Bereich der K 40 und liegt laut Ausführungsplanung in der Gemarkung Drabenderhöhe, Flur 22.

Der Begriff „Regenrückhaltebecken“ weckt zunächst die Vorstellung eines offenen Beckens oder kleinen künstlichen Sees. In Hillerscheid sieht die Sache völlig anders aus. Der technische Lageplan zeigt zwei parallel nebeneinanderliegende, unterirdische Rückhaltekanäle. Beide haben einen Nenndurchmesser von drei Metern – im Plan als DN 3000 bezeichnet – und bestehen aus Kunststoff beziehungsweise Polypropylen.

Lageplan

Der eine Speicherstrang fasst laut Planung 420,5 Kubikmeter, der zweite 431,1 Kubikmeter. Zusammen ergeben sich damit rund 851,6 Kubikmeter oder 851.600 Liter Wasser. Die Planung rundet dies auf ein Speichervolumen von etwa 850 Kubikmetern ab. Die beiden Röhren sind ungefähr 59,5 beziehungsweise 61 Meter lang.

Damit verbergen sich unter der Wiese insgesamt rund 120 Meter riesige Drei-Meter-Rohre. Das während der Bauphase veröffentlichte Foto lässt ihre Dimension erahnen: Neben den Rohren wirkt selbst der eingesetzte Großbagger vergleichsweise klein.

Fotos: Stadt Wiehl

Im normalen Betrieb steht dieses Bauwerk nicht wie ein Wasserreservoir dauerhaft voll. Seine Aufgabe beginnt vor allem dann, wenn innerhalb kurzer Zeit erhebliche Regenmengen anfallen.

Regenwasser von befestigten und bebauten Flächen gelangt über die Regenwasserkanalisation in das Entwässerungssystem. Bei kräftigem oder lang anhaltendem Regen kann wesentlich mehr Wasser gleichzeitig ankommen, als weiter unten schadlos abgeführt werden soll. Genau an dieser Stelle übernimmt der neue Speicher seine Funktion.

Statt die gesamte Wassermenge unmittelbar weiterzuschicken, wird ein Teil zunächst in den beiden großen Röhren zwischengespeichert. Anschließend wird das Wasser kontrolliert und wesentlich langsamer wieder abgegeben. Dieses Prinzip verringert die Abflussspitze und damit die hydraulische Belastung der nachfolgenden Leitungen und der Einleitungsstelle. Genau hierfür werden Regenrückhalteanlagen eingesetzt. Auch das Umweltbundesamt nennt zusätzliche Regenwasserbecken ausdrücklich als Instrument, um bei Starkregen überschüssiges Wasser aufzunehmen und Abflussspitzen zu reduzieren.

Besonders interessant ist eine Zahl im Ausführungsplan: Die sogenannte Drosselmenge beträgt lediglich 15 Liter pro Sekunde.

Das verdeutlicht das Prinzip der Anlage. Vorne kann während eines starken Regens kurzfristig sehr viel Wasser eintreffen, während hinten nur eine festgelegte Menge weitergegeben wird. Der Rest muss warten – gewissermaßen wie Fahrzeuge vor einer Ampel. Nur dass sich die Warteschlange in diesem Fall in zwei drei Meter hohen unterirdischen Röhren sammelt.

15 Liter pro Sekunde entsprechen 900 Litern pro Minute oder 54.000 Litern pro Stunde. Wären die rund 851.600 Liter Speicher vollständig gefüllt und käme anschließend überhaupt kein weiteres Wasser mehr hinzu, würde die theoretische Entleerung bei konstant 15 Litern pro Sekunde knapp 16 Stunden dauern. In der Realität hängt der Verlauf natürlich davon ab, wie lange es weiterregnet und wie sich Zu- und Abfluss entwickeln.

Gerade diese langsame Abgabe ist der entscheidende Punkt. Das Wasser soll nicht möglichst schnell verschwinden, sondern kontrolliert abgeführt werden.

Der technische Plan zeigt in diesem Bereich getrennte bestehende Leitungen für Schmutz- und Regenwasser. Das neue Rückhaltesystem ist in den Regenwasserstrang eingebunden. Es handelt sich somit nicht um einen Speicher für häusliches Abwasser oder den Inhalt der Kanalisation im landläufigen Sinne, sondern um ein Bauwerk der Regenwasserbewirtschaftung.

Die Unterscheidung ist wichtig: Im sogenannten Trennsystem werden Schmutzwasser aus Häusern und Niederschlagswasser getrennt gesammelt. Im Mischsystem laufen beide dagegen in einer gemeinsamen Leitung. Auch die Wiehler Entwässerungssatzung unterscheidet ausdrücklich zwischen diesen beiden Systemen.

Dass nach Abschluss der Arbeiten kaum noch etwas von der Anlage zu sehen ist, täuscht über den Umfang der Baustelle hinweg.

Aus den veröffentlichten Ausschreibungsdaten geht hervor, dass auf rund 2.400 Quadratmetern zunächst der Oberboden aufgenommen werden musste. Vorgesehen waren etwa 2.300 Kubikmeter Baugrubenaushub, teilweise bis zu einer Tiefe von rund vier Metern. Hinzu kamen etwa 380 Quadratmeter Trägerbohlwandverbau zur Sicherung der Baugrube.

Neben dem eigentlichen DN-3000-Speichersystem mussten weitere Kanalrohre mit Durchmessern zwischen DN 150 und DN 400 sowie mehrere Fertigteilschächte eingebaut werden. Rund 240 Kubikmeter gröberer und 950 Kubikmeter weiterer Grauwackesplitt waren in der Ausschreibung vorgesehen. Anschließend sollten etwa 1.500 Kubikmeter Boden wieder eingebaut werden. Für die Oberfläche waren unter anderem rund 290 Quadratmeter Schotterrasen und etwa 240 Quadratmeter wassergebundene Decke vorgesehen.

Damit erklärt sich auch das heutige Erscheinungsbild: Nach Beendigung der Tiefbauarbeiten wurde ein großer Teil der Landschaft wieder hergestellt. Was zuvor eine große Baugrube mit tonnenschweren Rohrelementen war, verschwindet nahezu vollständig unter der Erde.

Das neue Regenrückhaltebecken ist nur ein einzelner Knoten in einem gewaltigen System, das im Alltag weitgehend unsichtbar bleibt. Das Abwasserwerk der Stadt Wiehl betreibt nach eigenen Angaben rund 291 Kilometer Kanalnetz und etwa 9.600 Schächte. Dazu gehören Mischwasser-, Schmutzwasser- und Regenwasserkanäle.

Gerade solche Anlagen zeigen, dass moderne Entwässerung längst nicht mehr nur daraus besteht, möglichst große Rohre zu verlegen und Wasser möglichst schnell fortzuschaffen. Wassermengen zeitweise zurückzuhalten und anschließend gedrosselt weiterzugeben, ist ein wesentlicher Bestandteil heutiger Regenwasserbewirtschaftung.

Übersichtskarte

Das Umweltbundesamt weist zudem darauf hin, dass Kanalnetze wirtschaftlich gar nicht so dimensioniert werden können, dass sie jedes denkbare Extremereignis vollständig aufnehmen. Regenrückhaltebecken und andere Rückhaltemöglichkeiten gehören deshalb zu den technischen Instrumenten der Starkregenvorsorge und Klimaanpassung.

Dabei ist allerdings eine wichtige Einschränkung nötig: Ein Regenrückhaltebecken ist kein absoluter Hochwasserschutz. Auch ein Speicher von 850 Kubikmetern besitzt eine endliche Kapazität. Bei außergewöhnlich großen oder lang andauernden Niederschlagsmengen kann auch ein solches System an seine Grenzen gelangen. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, kritische Abflussspitzen abzufangen, Zeit zu gewinnen und die nachfolgenden Entwässerungswege erheblich zu entlasten.

Das vielleicht Bemerkenswerteste am neuen Hillerscheider Regenrückhaltebecken ist deshalb seine Unsichtbarkeit. Während der Bauphase wurden Tausende Kubikmeter Erde bewegt, eine mehrere Meter tiefe Baugrube ausgehoben und zwei Röhren von jeweils rund drei Metern Durchmesser und etwa 60 Metern Länge in der Landschaft versenkt. Wenige Wochen später erinnert oberirdisch nur noch wenig daran.

Unter der Wiese befindet sich nun ein Speicher für rund 850.000 Liter Wasser, der im entscheidenden Moment möglichst unauffällig seinen Dienst tun soll: Wenn es stark regnet, nimmt er innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen auf, hält sie zurück und gibt sie anschließend mit maximal rund 15 Litern pro Sekunde wieder ab.

Es ist eine jener kommunalen Infrastrukturen, die man im besten Fall kaum bemerkt – deren Bedeutung aber gerade dann sichtbar wird, wenn innerhalb weniger Minuten sehr viel Wasser vom Himmel kommt.

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