Das Leben in Drabenderhöhe in Zeiten der Corona-Krise

Eine Reportage von Ursula Schenker über das Leben in Drabenderhöhe in Zeiten der Corona-Krise.

Durch die Corona-Krise ist das Verbandsleben der Kreisgruppe Drabenderhöhe seit März fast komplett zum Erliegen gekommen. „Wir waren froh, dass unsere Tagesfahrt nach Düsseldorf zu den Ausstellungen im Gerhart-Hauptmann-Haus noch stattgefunden hat und im Anschluss niemand erkrankt ist“, sagt Anita Gutt, Vorsitzende der Kreisgruppe. „Danach überschlugen sich die negativen Nachrichten bezüglich der Pandemie und wir überlegten, wie wir unseren Mitgliedern und auch den Dorfbewohnern helfen können.“

Die Ausbreitung der Krankheit und der Hinweis, dass ältere und kranke Menschen, die zur sogenannten Risikogruppe gehören, soziale Kontakte vermeiden und um sich vor Ansteckung zu schützen, zu Hause bleiben sollen, veranlasste Gutt dazu Mitte März die Aktion „Einkaufen für Senioren“ ins Leben zu rufen. Brigitte Thomke, stellvertretende Kreisgruppenvorsitzende, war ebenso begeistert von der Idee und erklärte sich sofort bereit den Telefondienst zu übernehmen. Gutt: „Nach unzähligen Gesprächen konnten wir alle dörflichen Vereine und die Evangelische Kirchengemeinde mit ins Boot ziehen.“

„Wir schaffen das – und am besten zusammen“, sagten sich die Freiwilligen und gründeten unter dem Motto „Drabenderhöhe hilft“ eine Gruppe von ehrenamtlichen Helfern, die Senioren und Hilfsbedürftigen beispielsweise rund ums Einkaufen von da an zur Seite standen. Flyer wurden gedruckt und verteilt, zwei Hotlines eingerichtet, über die Brigitte Thomke unter 0151 67 421 358 und Andrea Ruland unter 0174 59 63 603 (Jugendreferentin der Kirchengemeinde) täglich von 9 bis 15 Uhr auch für Bewohner der umliegenden kleinen Dörfer zu erreichen sind. Sie nehmen Wünsche und Anregungen entgegen oder stehen einfach auch nur für Gespräche zur Verfügung. „Denn die Einsamkeit ist groß, manch einer möchte nur mit uns sprechen“, sagt Thomke. Hilferufe gibt sie an Helfer in der Whats-App-Gruppe weiter. Wer Zeit hat, meldet sich, erhält dann die Kontaktdaten. „Es sind viele ältere Menschen, um die wir uns regelmäßig kümmern, weil sie sich aus Angst vor Ansteckung nicht trauen zum Einkaufen ins Geschäft zu gehen“, weiß Thomke.

Als positiv bezeichnen Ruland und Thomke die Tatsache, dass nicht so viele Menschen wie ursprünglich gedacht die Hilfe der Hotlines in Anspruch nehmen. Grund dafür seien sicherlich die „gut vernetzten Nachbarschaften“ sowie die Betreuung durch Familienangehörige. Nach Möglichkeit habe jeder, der um Unterstützung bittet, seinen eigenen Betreuer, damit „vertrauensvolle Beziehungen aufgebaut werden können“, so Ruland. Anita Gutt freut sich ebenfalls darüber, dass „wir in einer so hilfsbereiten und gut funktionierenden Nachbarschaft leben“.

Neu ist ein Angebot der Wiehler Tafel für Bedürftige: Taschen mit Lebensmitteln. „Jeweils zwei Leute aus unserer Hilfsgruppe fahren nach Wiehl, holen die Taschen und bringen sie zu den bedürftigen Familien“, sagt Ruland. Einige ehrenamtliche Helfer seien sogar bereit den Eigenanteil von drei Euro für Einzelpersonen oder sechs Euro für Familien aus eigener Tasche zu bezahlen. Interessenten müssen sich aber persönlich bei der Tafel melden unter Telefon 02291 – 90 70 765. Die Gruppe der Helfenden ist groß. Frauen, die nicht mit Besorgungen beschäftigt sind, nähen Mundschutzmasken. Zu den Näherinnen gehören unter anderem Adelheid Hann, Birgit Mies, Heike Rothmann, Sunhild Hartmann und Elke Hihn.

Mundschutz genäht auch fürs Altenheim

Auch für das Alten- und Pflegeheim Haus Siebenbürgen nähten die Frauen fleißig Mundschutze, denn zu Beginn der Pandemie waren diese Artikel nur schwer zu haben. Für die alten Menschen war und ist es eine schwere Zeit, denn aufgrund der Allgemeinverfügung galt das Besuchsverbot auch für das Drabenderhöher Haus. Geschäftsführer Markus van Breen sagt dazu: „Es war eine belastende Situation für unsere Bewohnerinnen und Bewohner. Sie haben sehr darunter gelitten, dass keine Besucher kommen durften. Es entstand sogar ein wenig Lethargie.“ Obwohl man versucht habe die Einsamkeit durch verschiedene Angebote und Programme zu sprengen, sei die Möglichkeit sich in Gemeinschaftsräumen zu treffen so gut wie nicht wahrgenommen worden. Es habe zu viel Angst und Unsicherheit bei den alten Menschen bestanden. Sie blieben in ihren Zimmern, fühlten sich eingesperrt.

Viele Krisensitzungen seien in den vergangenen Wochen abgehalten worden und man habe versucht Informationen an Mitarbeiter und Bewohner transparent zu gestalten.

Die kleine Kapelle im Altenheim wurde schon vor einiger Zeit zum Besucherraum umfunktioniert, in dem die aus Glas bestehende Zwischenwand zur Bücherei zugemacht wurde. Zwei Besucher können durch eine separate Tür die Kapelle betreten und an einem Tisch Platz nehmen. Während auf der anderen Seite der Glasscheibe ein Bewohner sitzt (siehe Foto oben). Durch Sondergenehmigung der Heimaufsicht dürfen Besucher sich mit ihren Angehörigen dort treffen. Diese Möglichkeit soll es auch zukünftig geben.

Seit Muttertag gibt es weitere Lockerungen: Im Hof des Altenheims wurden Zelte aufgebaut, wo man sich zusätzlich mit Besuchern treffen kann. Auch wenn man sich noch nicht in den Arm nehmen und drücken darf, ist im Alltag der Senioren wieder ein kleines bisschen Glück eingezogen – wenn auch nur auf Distanz.

Zur Zeit arbeiten van Breen und seine Mitarbeiter an einem Konzept, wie Hygienevorschriften und Lockerungen ohne Gefahr umgesetzt werden können. „Glücklicherweise hatten wir bisher keinen Fall von Corona in unserem Haus und wir hoffen, dass es auch so bleibt“, sagt van Breen.

Ursula Schenker

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