Elena-Mureșanu-Stiftung trauert um ihren Ehrenvorsitzenden Kurt Franchy

Die Elena-Mureșanu-Stiftung trauert um ihren Ehrenvorsitzenden Pfarrer i.R. Kurt Franchy, der am 7. Juli im Alter von 86 Jahren in Wiehl-Hillerscheid starb. Er baute die 1992 gegründete Stiftung mit Dr. Ernst Weisenfeld auf, die vorrangig ein Schülerheim in Hermannstadt (siehe Foto oben) und die Altenpflege unterstützt.

Initialzündung war eine Liebesgeschichte. Elena Mureșanu aus Bistritz lernte den Publizisten Dr. Ernst Weisenfeld (ARD, WDR, Die Zeit etc.) bei der Deutschen Botschaft in Bukarest kennen. Mureșanu bezauberte Weisenfeld, der über die politische Publizistik in Siebenbürgen promoviert hatte, so sehr, dass sie heirateten. Gemeinsam verbrachten sie viele Jahre in Paris, wo Weisenfeld das ARD-Studio leitete. Nach Elenas Tod wurde die Stiftung in Deutschland aus dem Erlös des Pariser Domizils eingerichtet. Kurt Franchy wurde um Rat gefragt und als früherer Bistritzer Dechant von Nordsiebenbürgen erkannte er die Chance, mit Liebe etwas Neues zu gestalten.

Das ursprüngliche Stiftungskapital, so Rudolf Herrmann, Vorsitzender der Elena  Mureșanu Stiftung, sei inzwischen um das Dreifache gewachsen. Die Mittel, die aus dem Vermögen erwirtschaftet werden, gehen (mit Sondergenehmigung des Landes NRW) ausschließlich nach Siebenbürgen! Dort wurde und wird vorrangig ein Schülerheim in Hermannstadt ausgebaut und unterstützt, in geringem Maße auch die Altenpflege. Unter dem Schutz und der Aufsicht der evangelischen Landeskirche Rumänien haben bisher mehr als 1500 junge Siebenbürger von dem Haus profitiert. Pro Jahr sind das derzeit 60 Mädchen und Jungen. Sie tragen auch dazu bei, die deutsche Sprache im Brukenthal-Gymnasium zu erhalten. Das Schülerwohnheim im „Haus mit den Karyatiden“ in der Fleischergasse trägt seit dem 30. September 2008 den Namen Ernst Weisenfeld.

Aus dem ursprünglichen Konzept, Stärkung und Erhaltung der siebenbürgischen Kultur in deutscher Sprache, sei in kluger Fortentwicklung eine sowohl ökumenisch als auch interkulturell offene Einrichtung geworden. Sie stehe auf festem siebenbürgischem Selbstbewusstsein. Identitätsstärkung und Dialogfähigkeit würden auch mit außerschulischen Methoden aktiv gefördert. Die Attraktivität des Ernst-Weisenfeld-Hauses sei für die Landeskirche sowie für Stadt und Land von großem Nutzen. Die Schüler danken es mit guten Noten.

Pfarrer Kurt Franchy habe mit seiner Familie erlebt, welche Schwierigkeiten es mit sich bringe, in zwei Kulturen wirksam zu werden. Mit ansteckendem, aber nüchtern kalkulierendem Optimismus sei aus einem heruntergekommenen Haus in der Innenstadt von Hermannstadt eine schöne Pflanzstätte der Zukunft gewachsen. Hier lernen junge Siebenbürger in Freiheit zu leben und Leistungsfähigkeit zu entwickeln.

Kurt Franchy hinterlasse ein kreatives Erbe und die Mahnung, die Zeichen der Zeit wahrzunehmen, sie zu unterscheiden und zu deuten, betonte Rudolf Hermann. Seine Unerschrockenheit, seine Gestaltungslust und sein tief verwurzelter Glaube, der auch durch Zweifel gestärkt wurde, seien Eigenschaften, die für Heranwachsende bei ihrer Selbstfindung und Orientierung hilfreich sein könnten.

Die Stiftung wird von Bischof Reinhart Guib, Hauptanwalt Friedrich Gunesch und dem Landeskonsistorium der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien begleitet. Der Sitz der Stiftung soll am symbolischen Gründungsort Drabenderhöhe bleiben. Hermann: „Wir können Kurt Franchy am besten gedenken und danken, wenn wir seine beherzte Umsicht für die Weiterentwicklung der Stiftung beachten und, wie er, neue Chancen entdecken und gestalten. Liebesgeschichten haben manchmal große Wirkung.“

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