Adventliche Chormusik, diesmal anders

Die Besucher der Andacht am vierten Adventsonntag in Drabenderhöhe, die der  Einladung des Honterus-Chores und der evangelischen Kirchengemeinde gefolgt waren, empfing ein Bild des Chores auf einer großen Leinwand im Altarraum in der evangelischen Kirche .

Alles war gut geplant und vorbereitet. Mehrere Chormitglieder, die seit dem Herbst nach längerer Pause, wieder zur Probe gekommen waren, hatten sich vorgenommen, statt des traditionellen Weihnachtskonzertes in diesem Jahr wenigstens ein paar Adventlieder in einer Andacht vorzutragen. Diakonin Andrea Ruland war bereit, die Gestaltung der Andacht zu übernehmen.

Am Mittwoch davor gab es wegen der Corona-Pandemie neue verschärfte Regelungen für Gottesdienste im Oberbergischen Kreis. Auch der Chor durfte von dem Zeitpunkt an nur mit Maske singen, was unmöglich schien. Es wurde überlegt, die Andacht abzusagen. Die Verantwortlichen entschieden sich für eine, wie sich heraus stellen sollte, zufriedenstellende Lösung.

Der Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, Rainer Lehni, hatte vorher angefragt, ob der Chor bereit sei, ein paar Lieder für eine Grußbotschaft des Verbandes aufzunehmen. Der Chor traf sich zwei Wochen davor in der Kirche, festlich gekleidet in der „Kluft“ des Chores. Günther Melzer machte die Aufnahmen und schnitt sie zu einer sehens- und hörenswerten Darbietung zusammen.

So wurden die Lieder während der Andacht nicht „live“ gesungen, sondern wurden von Lautsprechern wiedergegeben. Die Sängerinnen und Sänger waren alle in ihrer Kluft erschienen, setzten sich geschlossen in die ersten Reihen und konnten sich diesmal sehen und singen hören. Ein neues Erlebnis!

Es folgte eine wohltuende Stunde der Ruhe und Besinnlichkeit mit liturgischem Teil, Gemeindegesang, Andacht und Liedern des Honterus-Chores.

Diakonin Andrea Ruland setzte ihre Worte unter das Motto „Sieh die gute Zeit ist nah“:

„Jedes Jahr geht es uns ganz ähnlich in dieser besonderen Zeit im Jahr. Nachdem wir alles zuhause liebevoll dekoriert, fleißig Plätzchen gebacken und vielleicht trotz Pandemie den einen oder anderen Weihnachtsmarkt besucht haben, können wir uns so ganz auf Weihnachten freuen. Heute am vierten Sonntag im Advent sollte allerspätestens die Weihnachtsstimmung und vor allem die Weihnachtsvorfreude in uns Einzug gehalten haben.

Dies ist leider aber nicht immer so einfach – schon gar nicht im zweiten Jahr der Pandemie. Wir alle wissen selber für uns am besten, was uns in den vergangenen Monaten beschäftigt hat, welche Sorgen und Ängste unsere Gedanken bestimmt haben, was uns hat Zweifeln lassen und uns gleichzeitig wieder Glauben geschenkt hat. Wir alle kennen die Nöte in unserem Leben – aber eben auch das, was uns Kraft spendet, Mut macht und Hoffnung gibt. (…)

Denn das was da kommt, das was wir in diesen Tagen so sehnlich erwarten ist alles andere als klein, unscheinbar oder nebensächlich. Wir werden es heute noch miteinander singen:

„Seht die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde. Kommt und ist für alle da, kommt, dass Friede werde.“

Gott kommt auf die Erde – zu uns! Und es wird Frieden. Das ist ganz sicher keine Kleinigkeit. Das ist eine große Hoffnung und eine Erwartung. Genau das feiern wir an Weihnachten – jedes Jahr aufs Neue. Ganz egal wie es uns selber bei diesem Warten ergeht. Ob wir uns von Herzen auf das, was da kommt, freuen können, oder ob wir aus welchen Gründen auch immer, eher gequält auf Weihnachten – auf den Sohn Gottes warten müssen.

Welche Gefühle in jedem von uns ausgelöst werden bei dieser ganzen Warterei – in einem bin ich mir ganz sicher: Jeder von uns braucht den Frieden. Nicht nur ganz dringend den Frieden auf unserer großen weiten Welt – sondern auch den Frieden im eigenen Leben, im eigenen Herzen. Und wer von uns kann schon ohne jegliche Hoffnung das eigene Leben meistern?“ (…)

Gemeinsam mit den Besuchern der Andacht sang dann der Honterus-Chor das Lied „Seht die gute Zeit ist nah“, ein nach einem mährischen Weihnachtslied geschaffenen Adventslied von Friedrich Walz.

Günther Melzer, der auch die Vorbereitungen dazu getroffen hatte, spielte danach die folgenden Lieder des Chores in Bild und Ton ab: Advent ist ein Leuchten (Lorenz Maierhofer), Advent der Christenheit (Lorenz Maierhofer), Es kommt eine frohe Zeit (Franz Koringer), Licht in der Nacht (Weihnachtsjodler, Text K. W. Belchert). Die drei Weisen (D. K. Kiriac, Rumänisches Weihnachtslied), Leise rieselt der Schnee (Eduard Ebel, Satz Regine Melzer).

Beim Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ stellten sich die Chormitglieder mit Maske neben die Leinwand und summten leise mit.

Der stellvertretende Vorsitzende des Chores, Helmut Scharpel, dankte den Mitwirkenden und überreichte ihnen ein kleines Geschenk: der Dirigentin des Chores, Regine Melzer, Diakonin Andrea Ruland, Organistin Hanna Groß, Küster Hilmar Kranenberg und Günther Melzer für die gelungene Aufnahme und Wiedergabe der adventlichen Lieder. Ergriffen meldete sich noch einmal Andrea Ruland und bedankte sich bei den Teilnehmern.

Zufrieden und voller Hoffnung verließen alle das Gotteshaus und wünschten sich ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr.

Die Spenden am Ausgang waren für die Kinder- und Jugendarbeit der Kirchengemeinde  Drabenderhöhe bestimmt.

Der Honterus-Chor hatte sich außerdem in den Videos „Von Daheim für Daheim“ im Weihnachtsgottesdienst am Heiligen Abend mit „Stille Nacht, Heilige Nacht“ und am Ersten Weihnachtstag in „Weihnachtsmusik & Grußbotschaft für Siebenbürger Sachsen“ mit den oben aufgeführten Liedern eingereiht.

Enni Janesch

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